Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 56 - 03.09.2018

Nachhaltigkeit statt "fast" Fashion

Gewerkschaften, Jugendumweltbewegung und Kirche setzten auf Fair Trade

Fair Trade

Janun e.V.

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In aller Eile mal zwischendurch Fast Food verschlingen kennt jede*r – mal auf dem Sprung beim Discounter oder Bummel durch die Fußgängerzone ungeplant ein neues Kleidungsstück kaufen, machen immer mehr Menschen. Der Name dafür: "Fast Fashion". Doch genauso wie Fast Food oftmals ungesund ist, ist der unbedarfte Massenkonsum von Schnäppchenmode nicht folgenlos. Während die Käufer*innen oftmals nicht auf die Qualität oder den wirklichen Bedarf des x-ten T-Shirts, Hemds oder Kleids achten, bekommen die eigentlichen negativen Auswirkungen die Näherinnen am anderen Ende der Welt zu spüren.

 

Auf einer gemeinsamen Veranstaltung von Lüneburger Gewerkschaften, Jugendumweltverbänden und der katholischen Kirchengemeinde St. Marien machte am vergangenen Dienstag die Referentin, Elisabeth Baumann-Meurer von der Kampagne für Saubere Kleidung aus Hamburg, deutlich wie es um den globalen Textilmarkt steht. Ihr prägnantestes Beispiel war hierbei Bangladesch mit über 5.000 Textilfabriken auf einer Fläche von der Größe Bayerns. Hier und in zahlreichen anderen Ländern Asiens produzieren Millionen von Näherinnen unter zumeist menschenunwürdigen Bedingungen für den Europäischen Markt. Ohne existenzsichernde Löhne, zum Teil körperlich misshandelt, ohne den nötigen Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie drohender Arbeitslosigkeit bei gewerkschaftlicher Betätigung sind es vor allem junge Frauen unter 30 Jahren, die ohne Perspektive auf Besserung bis zu 16 Stunden täglich schuften.

 

An dieser Misere hat sich in den vergangenen Jahren wenig verbessert. Selbst nach der Katastrophe des Einsturzes des Fabrikgebäudes Rana Plaza mit über 1.100 Toten im April 2014 und dem daraufhin vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gegründeten Textilbündnisses nimmt der Druck auf die Produzent*innen nicht ab, verdeutlichte Baumann-Meurer. Wurden in früheren Jahren in jeweils drei Monaten zwei Kollektionen im Jahr von den Textilkonzernen in Auftrag gegeben, sind es heute bereits bis zu 12 Kollektionen, die nur in wenigen Wochen bereit stehen müssen. Die Nachfrage nach „schnell mach neu“ wächst stetig an und erhöht den Kosten- und Zeitdruck.

 

Wie können also Lüneburger Konsument*innen ihren textilen Konsum nachhaltiger und bewusster gestalten? Welche Marktmacht haben die Kunden der Waren? Auf diese Frage wollten die Kooperationspartner*innen der Veranstaltung „Saubere Kleidung – fair & mehr“ in der St. Mariengemeinde mögliche Antworten geben. Denn, so machte Diakon Martin Blankenburg vom katholischen Arbeitskreis Laudato si der Kirchengemeinde St. Marien deutlich, „die Welt spaltet sich mehr und mehr zwischen denen, die Waren, marktfähige Ideen und Vermögen besitzen, profitabel verwerten und damit ihren Reichtum mehren und denen, die mehr und mehr selbst zur Ware und arm gemacht werden“.

 

Um wirksame Konsumalternativen aufzuzeigen, hatte Eine Welt-Promotorin Christiane Wellmann vom Jugendumweltnetzwerk JANUN Lüneburg e.V. Vertreterinnen des Lüneburger Öko-Outlets Brands, des Lüneburger Zeughaus und der studentischen Initiative Hexenstich eingeladen. Nebst der Präsentation ihrer unterschiedlichen Produkte auf einer Fairen Modenshow erfuhren die zahlreichen Gäste der Veranstaltung allerlei Hintergründe zu den Beweggründen der Unternehmen und Initiativen. So legte Kalina Magdzinska von Brands Fashion die Produktionsbedingungen und Bemühungen ihres Unternehmens um wachsende Nachhaltigkeit dar. Das faire Label der Firma, für die sie die Produktionsabläufe verbessere und die Zusammenarbeit mit Fairtrade Deutschland organisiere, setze unter anderem auch auf die Langlebigkeit ihrer Produkte und nicht auf Fast Fashion.

 

Wie wichtig die weitere Nutzung gebauchter Kleidung hinsichtlich Nachhaltigkeit in unserer heutigen Wegwerfgesellschaft ist, machte Johanna Maack, Anleiterin in Verkauf des Zeughaus Lüneburg deutlich. Ihre soziale Einrichtung unter dem Dach von AWOCADO und Diakonie biete nicht nur Second-Hand-Mode an und repariere in der hauseigenen Näherei, sondern biete als sozialer Arbeitgeber für viele Menschen eine wichtige Stütze für den Wiedereinstig in den Arbeitsmarkt. Dass Wiederverwertung von Textilien kein altmodisches Thema ist, sondern als so genanntes „Upcycling“ durchaus in jungen Kreisen im Trend liegt, konnte Samantha Woebcke von der studentischen Initiative Hexenstich anschaulich machen. Sie präsentierte als Konsumalternative selbstgenähte, aus Bettwäsche gefertigte Sommerkleidung.

 

Nach einer lebhaften Diskussion über Konsumalternativen, Labels und nötige Kontrollen resümierte der Moderator der Veranstaltung, Matthias Richter-Steinke vom Deutschen Gewerkschaftsbund, die Handlungsmöglichkeiten der unterschiedlichen Akteure. So sollten Unternehmen an der Transparenz und Nachhaltigkeit ihrer Lieferketten arbeiten und hierzu auch ihre Marktmacht nutzen. Die Politik solle mittels fairer Handelsabkommen und wirksamer Gesetze steuernd eingreifen, da freiwillige Selbstverpflichtungen bislang weitestgehend wirkungslos blieben. Und Konsument*innen könnten sich dem schnelllebigen und schädlichen Fast Fashion verweigern, sich beim Einkauf nach den Produktionsbedingungen erkundigen und politische Initiativen wie die Kampagne für Saubere Kleidung bei ihrer Arbeit unterstützen. An die Kommunalpolitik gerichtet hob Richter-Steinke die Bedeutung sozial-ökologischer Beschaffung der öffentlichen Hand hervor: „Hier kann auch die Hansestadt Lüneburg noch mehr tun.“

 


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Presserechtlich verantwortlich

Dr. Matthias Richter-Steinke, Regionsgeschäftsführer

DGB Region Nord-Ost-Niedersachsen

Heiligengeiststraße 28 21335 Lüneburg


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