Deutscher Gewerkschaftsbund

29.05.2017
Kämpferische Appelle am Tag der Arbeit in Celle

DGB 1. Mai Veranstaltung in Celle 2017

Nach den Umstrukturierungen und Neuaufstellungen der deutschen Gewerkschaften feiern sie den Tag der Arbeit. Das ist schon 125 Jahre her, erinnert der Celler Kreisvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Paul Stern bei seiner kurzen Begrüßung. Er übergab jedoch schnell an Pastor Dr. Andreas Flick von der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Celle. Flick sprach jedoch nicht allein im Namen seiner Gemeinde. Im Rahmen der Ökumene in Celle konnte er im Namen der Celler Kirchen die Besucherinnen und Besucher willkommen heißen. „Die Gewerkschaften setzen sich ein, dass der Sonntag frei bleiben soll“, erläutert Pastor Dr. Andreas Flick. Die Kirchen seien ebenfalls auf der Seite Gewerkschaften und somit vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Einzelhandel. Flick mach klar, dass die Shopping-Lust nicht über dem Wohl der arbeitenden Menschen stehen darf.

Paul Stern forderte in einer flammenden Rede die Tarifbindung für Alle und bezog sich auf die neuen Arbeitsverhältnisse der Freelancer und anderer fragiler Beschäftigungsverhältnisse. Stern verwies auf die Brücke von „Laptop und Wischmop“, die die Gewerkschaft verbindet. Jeder solle sich bei den Gewerkschaften organisieren. Nur so seien die Gewerkschaften stark genug, die Interessen durchzusetzen, so Stern. Er fordert zugleich eine radikale „Sozial-Ökologische-Transformation“, denn in diesem Land müsse sich etwas ändern. Global gesehen verglich Stern den in der Kritik stehenden amerikanischen Präsidenten Donald J. Trump mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Die Welt ändere sich gerade, nicht zum Guten. Stern verwies auf den kommenden G20-Gipfel am 7. und 8. Juli 2017 in Hamburg. Dort sollen wieder Kundgebungen gegen die fehlgeleitete Politik, die sich gegen den eigentlichen Willen der Bevölkerungen richtet, stattfinden.

In einer emotional bewegenden und zugleich auch besorgniserregenden Rede traten die ver.di-Mitglieder Marion Wiechmann und Uwe Stark an das Mikrofon. Wiechmann und Stark arbeiten selbst im Allgemeinen Krankenhaus Celle (AKH) und machten mit ihrem Appell auf die schlechten Zustände aufmerksam. Der Pflegenotstand und der Zeitdruck im medizinischen Bereich seien den Menschen bekannt, doch die Dramatik werde der Politik noch nicht bewusst . So werde die verpflichtende Händedesinfektion, die nur wenige Momente dauert, zum Zeitfresser, denn Zeit haben sie nicht, ganz im Gegenteil, erklärt Wiechmann. Da werde bei der freien Zeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als selbstverständlich erachtet, dass diese mit eingebracht werde. Es tue ihnen in der Seele weh, wenn sie pflegebedürftigen Menschen das Essen zuführen müssen, jedoch eigentlich keine Zeit haben und ihnen die erbrachte Pflege nicht gerecht werde. Der Pflegenotstand sei omnipräsent und ein dringendes Problem, was bis zur Verwechslung von Medikamenten führe.
Wiechmann und Stark „rufen um Hilfe“ und wollen die „Rechte der Kranken erzwingen, damit jeder eine menschenwürdige Pflege bekommt“.

Fabiola Richter von der IG Metall verweist auf eine bundesweite Beschäftigtenbefragung. Diese dauere zwar 30 Minuten, jedoch haben sich viele dazu bereiterklärt daran mitzumachen, erzählt Richter. Die Ergebnisse seien nicht verwunderlich, denn die Befragten fordern eine Korrektur der Arbeitsmarktpolitik. Das sagen nicht nur 83%, sondern sei auch ein Kernanliegen der IG Metall. Die Altersversorgung sei ebenfalls ein zentrales Thema, was auch das ver.di-Ortsverbandsmitglied Wolfgang Ebensen aufgriff. Ebensen kritisierte die etablierten Parteien, dass diese nicht auf die Belange der Rentnerinnen und Rentner eingehen. Man müsse wieder Wut lernen, denn das niedrige Rentenniveau, die geringen Steigerungen und die versteckten Steuern führen mittelfristig dazu, dass viele Rentner in Zukunft noch Sozialhilfe beziehen müssten. Ebensen mahnt, dass es nicht sein könne, dass man durch solche Politik Rentner dazu zwinge, nebenbei einen Minijob annehmen zu müssen.

Yilmaz Kaba ist nicht nur im Vorstand der Eziden in Deutschland, Kaba sprach beim Tag der Arbeit auch für das ezidische Kulturzentrum in Celle. Der Tag der Arbeit sei auch ein Tag der Solidarität und so machte Kaba auf die Missstände in der Welt und vor allem in den umkämpften Kurdengebieten aufmerksam. In Deutschland, kritisierte er, werden Ängste geschürt, was auch Einfluss auf die Lage der Kurden habe. Kaba forderte zum Kampf gegen die Unterdrückung und für Solidarität und Demokratie auf.

Werner Leise von der Gruppe Attac (association pour une taxation des transactions financières pour l’aide aux citoyens) rief alle Anwesenden zur Mündigkeit auf. In diesem Jahr sind viele Wahlen und die Menschen sollten endlich einmal auf die Wahlprogramme der Parteien schauen und nicht nach einem festen Muster immer dieselbe Partei wählen. Leise erinnerte ebenfalls an den G20-Gipfel in Hamburg und würde sich freuen, wenn viele aus Celle zur großen internationalen Demonstration mitkommen würden.

Die organisierte Veranstaltung mahnte und rüttelte auf. Die kleinen Stände und der Imbiss rundeten das Konzept ab. Gemeinsam standen die Teilnehmer zusammen und bei schönem Wetter glich es einem Fest.

Den musikalischen Schluss bildete die Celler Band „Stars & Bars“. Mit ihrer stimmungsvollen Musik luden sie zum Verweilen ein, denn die Verbände, Gewerkschaften und Organisationen hatten am Rande immer ein offenes Ohr und viele Informationen.

 

 

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