Deutscher Gewerkschaftsbund

25.10.2016
Bundesweiter DGB-Aktionstag am 31. Mai

Die Rente im Fokus

Rentenaktionstag

Kolleginnen und Kollegen beteilgen sich an der Bundesweiten Pendleraktion zum Thema Rente. Der Rentensinkflug muss gestoppt werden! DGB

Um die Beitragssätze niedrig zu halten, hatte der Gesetzgeber Anfang des Jahrtausends entschieden, das Niveau der gesetzlichen Rente kontinuierlich sinken zu lassen. Die Beschäftigten sollten stattdessen privat vorsorgen (Riester-Rente), die Arbeitgeber wurden entlastet. Aber die Erwartungen an die private Altersvorsorge haben sich nicht erfüllt.

Ohne Kurswechsel droht den Beschäftigten sozialer Abstieg im Alter: Sinkt das Rentenniveau weiter von 48 Prozent (heute) auf unter 42 Prozent (2045), müssen alle für die gleiche Rente wesentlich länger arbeiten – bei einem Lohn von 2500 Euro wären es z. B. 42 statt 37 Jahre. Und selbst dann läge die Rente nur gerade in Höhe der Grundsicherung. Der Deutsche Gewerkschaftsbund will das Rentenniveau sofort auf dem heutigen Stand stabilisieren und im weiteren Schritt anheben, etwa auf 50 Prozent. Mehr Informationen unter www.rente-muss-reichen.de

 

Was ist da eigentlich los? 

 

Die Renten steigen jedes Jahr – wo ist das Problem?

Sie steigen, aber langsamer als die Löhne und teilweise sogar langsamer als die Preise. Dieser Wertverlust trifft nicht nur die heutigen Rentnerinnen und Rentner, sondern auch die Ansprüche der heute jüngeren Menschen. Die Renten müssen genau wie die Löhne an den steigenden Wohlstand angepasst werden. Erst wenn das der Fall ist, ist die Rente auch morgen noch was wert.

Rentenniveau – was ist das?

Das Rentenniveau misst das Verhältnis einer Standardrente gegenüber dem Durchschnittsverdienst: Die Standardrente erhält, wer 45 Jahre lang berufstätig war und dabei immer durchschnittlich verdiente. Nach Sozialabgaben liegt diese heute bei rund 1.220 Euro, das sind 48 Prozent des Durchschnittseinkommens. Wenn wir nichts tun, sinkt das Rentenniveau bis 2045 auf unter 42 Prozent.

Zahlen Arbeitgeber die Hälfte der Rente?

Nur noch auf dem Papier: Arbeitgeber zahlen 50 Prozent der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Aber weil das Rentenniveau sinkt, sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Grunde gezwungen, zusätzlich Geld beiseitezulegen. Die Beschäftigten zahlen also mehr als die Hälfte ihrer Alterssicherung. Die Arbeitgeber sind fein raus.

Altersarmut – gibt’s die überhaupt?

Es gibt Altersarmut, und sie nimmt zu. Wer von seinem Lohn nicht leben kann, hat auch wenig Rente. Hier muss gehandelt werden, sowohl am Arbeitsmarkt als auch durch sozialen Ausgleich in der Rente. Dazu müssen wir heute die Weichen stellen, damit das Problem nicht größer wird. Deshalb muss das Rentenniveau steigen.

Geht ein Kurswechsel in der Rente zu Lasten der Jungen?

Im Gegenteil: Wer heute jung ist, profitiert von einer Stärkung der gesetzlichen Rente. Zwar steigen die Beiträge etwas stärker, dafür müssen junge Menschen aber weniger privat vorsorgen und haben im Alter eine verlässliche und ausreichende Rente. Ginge alles so weiter wie bisher, zahlten sie mehr ein und bekämen weniger raus.

Lässt sich die Rentenlücke durch private Vorsorge schließen?

Trotz staatlicher Förderung kann die private Vorsorge die entstehenden Löcher nicht flicken. Nur 6 Millionen Versicherte sparen 4 Prozent vom Einkommen wie vorgesehen. In den ärmeren Haushalten fehlt oft der Spielraum, überhaupt etwas zurückzulegen. Weitere Nachteile sind die Unsicherheit auf den Finanzmärkten und die niedrigen Zinsen.

Müssen wir länger arbeiten?

Die Menschen werden im Durchschnitt älter. Das bedeutet aber nicht, dass auch alle länger arbeiten können! Nur jeder Zweite wechselt heute direkt aus einer versicherungspflichtigen Beschäftigung in Rente. Viele haben zuvor Minijobs, sind arbeitslos oder – oft durch die Arbeit – krank geworden. Wer das Rentenalter erhöht, kürzt unter diesen Bedingungen nur die Rente. Solange viele Menschen nicht bis zur Rente einen guten Arbeitsplatz haben, sind steigende Altersgrenzen eine zynische Politik.

Immer weniger Junge zahlen für immer mehr Alte. Kann das funktionieren?

Ja, denn es geht nicht nur um das mathematische Verhältnis von Menschen unter und über 65 Jahre. Wichtig ist vor allem, dass möglichst viele Menschen einen guten Arbeitsplatz haben. Sind mehr Menschen in sozialversicherungspflichtiger Arbeit, stärkt das auch die Rente. Außerdem steigt die Produktivität der Wirtschaft stetig. Werden Beschäftigte an diesem Wachstum durch höhere Löhne beteiligt, bringt auch das ein Plus für die Rentenkasse.

Was können Frauen von der Rente erwarten?

Viele Frauen arbeiten in Minijobs, oft unfreiwillig. Dafür werden keine Beiträge fällig, später gibt es aber auch kaum Rente. Wenn mehr Frauen arbeiten, wenn sie Beruf und Privatleben besser vereinbaren können und die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen geschlossen wird, erhalten mehr Frauen mehr Rente. Dann fließt insgesamt auch mehr Geld in die Rentenkasse.

Wie stärken wir die Rente?

Alles hängt mit allem zusammen: Wenn wir Menschen für den Arbeitsmarkt qualifizieren, sie in gute Arbeit mit guten Löhnen bringen, stärkt das auch die Rente. Die Gewerkschaften möchten auch den Selbstständigen, die bisher nicht abgesichert sind, soziale Sicherheit in der gesetzlichen Rentenversicherung bieten – gut für die Betroffenen und gut für das Rentensystem. Langfristig wollen wir eine Erwerbstätigenversicherung, in die alle Beschäftigten einbezogen werden.

 

 

 

Rentenaktionstag am Bahnhof Lüneburg

DGB


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DGB Rentenkampagne

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von: DGB
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