Deutscher Gewerkschaftsbund

06.03.2017
Bühne für Menschenrechte

NSU Monologe

Der Kampf der Hinterbliebenen um die Wahrheit

NSU Monologe

BfM

Die NSU-Monologe - Der Kampf der Hinterbliebenen um die Wahrheit.

Nach 400 Aufführungen der Asyl-Monologe und Asyl-Dialoge erzählt die Bühne für Menschenrechte fünf Jahre nach dem Bekanntwerden des “Nationalsozialistischen Untergrunds” in den NSU-Monologen von den jahrelangen Kämpfen dreier Familien der Opfer des NSU.

Ich hab den Polizisten gesagt "Ermittelt gegen Nazis!" - Sie meinten: "Die würden Spuren hinterlassen. Ein Türke hat ihn umgebracht."

Adile Şimşek

Dabei erzählen die NSU-Monologe nicht von namenlosen Opfern, sondern von Elif Kubaşık und Adile Şimşek und dem gewaltvollen Verlust ihrer Ehemänner sowie von İsmail Yozgat und der Trauer um seinen Sohn.

Wir erfahren vom Mut der Hinterbliebenen, in der 1. Reihe eines Trauermarschs zu stehen, von der Willensstärke, wiederholt die Umbenennung einer Straße einzufordern und nicht zuletzt vom Versuch, die eigene Erinnerung an den geliebten Menschen gegen die vermeintliche Wahrheit der Ermittler zu verteidigen.

Wenn in den NSU-Monologen die Schauspieler*innen mal behutsam, mal fordernd, mal wütend ihre Stimme erheben, dann erzählen sie roh und direkt die Erfahrungen der Hinterbliebenen und liefern uns intime Einblicke in das Hoffen und Bangen menschlicher Existenzen, denen wir uns nicht mehr entziehen können.

Die NSU-Monologe entstanden durch ausführliche Interviews, lediglich gekürzt und ohne sprachliche Veränderungen - ein Werk zeitgenössischer Geschichtsschreibung, das in Zeiten des Erstarkens der AfD und des europäischen Faschismus an Aktualität kaum zu überbieten ist.

 

 

 

NSU-Monologları - Geride kalanların gerçekler için savaşı.

Iltica-monologları ve iltica-dialogları hakkında 400 gösteriden sonra Bühne für Menschenrechte “nasyonal sosyalist yeraltı” oluşumundan tam beş yıl sonra NSU kurbanları olan üç ailenin savaşını NSU-monologlarında anlatıyor.

Polislere dedim ki "Naziler hakkında soruşturma yapın!" – Onların cevabı: "Onlar iz bırakırdı. Onu bir Türk öldürdü." Adile Şimşek

NSU-monologları isimsiz kurbanları anlatmıyor, anlattığı kişiler Elif Kubaşık ve Adile Şimşek ve onların şiddet içeren eşlerinin kaybı yanısıra İsmail Yozgatın oğlu için tuttuğu yası anlatıyor.

Geride kalanların cesaretinden, cenaze töreninde ilk sırada durmayı, irade gücünü, bir sokağın tekrar isim değiştirme talebini ve son olmayacak şekile, sevdiği kişinin hatıralarını sözde doğruları konuşan araştırmacı karşısında savunmayı öğrendik.

NSU-monologlarında oyuncular bazen tedbirli, bazen talepli, bazen kızgın şekilde seslerini yükselttiklerinde, doğruca ve işlenmemiş halde geride kalanların deneyimlerini anlatıyorlar. Göz ardı edemeyeceğiniz, insanın varoluşumunda mevcut olan umut etme ve kaygı duyma hislerini samimi şekilde anlatılacaktır.

NSU-monologları detaylı reportajlarla, sadece kısaltılmış ve dili değiştirilmemiş şekilde oluşmaktadır – Çağdaş tarihi yazan bir eser, AfD ve avrupa faşizmin güçlenme zamanında olmasına rağmen güncelliği üstün gelecek şekildedir.

Buch und Regie: Michael Ruf

Team: Léonie Jeismann, Barnie Ecke, Florentine Seuffert, Serpil Erdik, Basma Bahgat

www.buehne-fuer-menschenrechte.de              www.internationale-wochen-gegen-rassismus.de

www.facebook.com/buhne.furmenschenrechte   https://twitter.com/BfM_Dokutheater

 

Eindrücke und Erzählungen der Zuschauer*innen

Am Sonntag, dem 26.03.2017, präsentierte die „Bühne für Menschenrechte“ die NSU- Monologe. Diese Veranstaltung bildete einen besonders beeindruckenden Abschluss der „Lüneburger Wochen gegen Rassismus“ und hat auf sehr einprägsame Weise gezeigt, welche schrecklichen Folgen Rassismus haben kann und wie relevant die Beschäftigung damit auch heute noch ist.

Die Darsteller*innen haben für ihre Inszenierung Interviews mit Betroffenen der NSU-Morde geführt und Teile daraus schließlich unverändert vorgetragen. Den Zuschauenden wurden so auf einer sehr persönlichen Ebene, die einzelnen Schicksale der Ermordeten und ihren Familien näher gebracht. Der tiefe Einblick in die Gefühlswelt der Angehörigen, die von einzelnen Darsteller*innen verkörpert wurden, hat das Leid und die große Ungerechtigkeit, die ihnen angetan wurde, spürbar gemacht. Durch die gefühlte Nähe zu den Familien wurde in den Zuschauenden Empathie geweckt. So konnte jede und jeder in Ansätzen spüren und nachvollziehen, was die Frauen, Männer und Väter der Ermordeten erlebt haben müssen, welchen Verlust sie erlitten haben und wie schwer es sein muss, keine Angst zu haben und weiterzuleben.

Besonders schockierend trat das Versagen der öffentlichen Institutionen und Behörden in der Inszenierung hervor. Oftmals wurden die Täter*innen zunächst in den Familien gesucht, keine Rücksicht auf die Gefühlslage der Trauernden genommen und die Angehörigen damit sehr tief und nachhaltig verletzt. Auch die Strafverfolgung verlief weder konsequent noch zielführend, die Stimmen der Betroffenen blieben weitgehend ignoriert und rassistische Motive, sowie Verbindungen zur rechtsextremen Szene wurden ausgeschlossen. Insgesamt war es eine sehr bewegende Veranstaltung, die das Publikum sprachlos hinterließ. Einen eindrucksvollen Abschluss bildete die Ansprache von einem Anwesenden, dessen Familie selbst Opfer rechten Terrors geworden ist. Er legte uns seinen eigenen Verlust nahe und hat somit die Brisanz und das Ausmaß von Rassismus für uns alle fühlbar gemacht, sodass jede und jeder mit einer ganz persönlichen Motivation die Veranstaltung verlassen konnte.

Unter die bedrückende Stimmung und die Fassungslosigkeit und Wut über das Gehörte konnte sich jedoch auch ein positiver Gedanke mischen: Zumindest gibt es Menschen, die sich zusammenfinden, sich mit den Schicksalen der Betroffenen auseinandersetzen und die rassistisch motivierten Morde nicht vergessen. Geeint waren alle Zuschauenden nach der Vorstellung wohl von der gemeinsamen Überzeugung: Es darf kein 10. Opfer geben!


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